Planung Tunnelbetriebstechnik

Wir haben unseren Kollegen Gunter gefragt: „Was versteht man unter „Planung der Tunnelbetriebstechnik?““

Planung Tunnelbetriebstechnik

Ich bin jetzt seit über 16 Jahren als Senior-Projektleiter bei Rücker + Schindele in der Planung der Tunnelbetriebstechnik für Straßenverkehrstunnel tätig. Als Straßenverkehrstunnel werden per Definition unterirdische Bauwerke, aber auch oberirdische Einhausungen sowie Galerien mit einer Länge größer als 80 m bezeichnet, die für den Individualverkehr mit PKW und LKW genutzt werden. Die Tunnelbetriebstechnik dient in erster Linie der sicheren Verkehrsführung im Normalbetrieb sowie dem Schutz der Verkehrsteilnehmer im Störfall, z.B. bei einem Unfall oder einem Brand im Tunnel sowie dem Bauwerksschutz bei schweren Brandereignissen.

Der Ausstattungsgrad eines Tunnels mit Tunnelbetriebstechnik ist u.a. abhängig von seiner Länge und wird u.a. durch die „Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln“ (RABT 2006) bzw. in deren aktueller Fassung „Empfehlungen für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln“ (EABT 80/100) sowie von europäischen Normen vorgegeben. Obwohl die Ausstattung eines Straßentunnels mit Tunnelbetriebstechnik durch Normen und Vorschriften prinzipiell vorgegeben wird, unterscheidet sich die Ausstattung der verschiedenen Tunnel in der konkreten technischen Umsetzung. Dies liegt u.a. an den unterschiedlichen Anforderungen des Betreibers, z.B. ob es sich um einen innerstädtischen oder einen Autobahntunnel handelt, und an den unterschiedlichen baulichen Gegebenheiten der Tunnel. Die Herausforderung bei der Planung der Tunnelbetriebstechnik ist die sehr große fachliche Breite der zu planenden Technik und der damit verbundene intensive Austausch mit den unterschiedlichsten Planungspartnern. Der Planungsumfang für die Tunnelbetriebstechnik umfasst in der Regel alle Fachbereiche der Technischen Ausrüstung, wie sie z.B. in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) definiert sind. Das Spektrum reicht von der Abwasserentsorgung, Lüftungs- und Entrauchungsanlagen über die Energieversorgung und Tunnelbeleuchtung bis zur sicherheitstechnischen Ausstattung mit Brandmeldetechnik und Sensorik.

Neben dem Ingenieur-Know-how macht mir der Umgang mit Menschen aus verschiedensten Wirkungsbereichen viel Spaß, seien es Auftraggeber, Betriebspersonal, Planungspartner oder ausführende Firmen, da auch Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Moderationsgeschick, Interessenausgleich und eine engagierte und plakative Darstellung technischer Sachverhalte gefordert sind. Diese immer neuen und unterschiedlichen Herausforderungen lassen keine Langeweile aufkommen. Durch die Vielfalt an Planungsthemen in einem Projekt ist Teamarbeit gefragt. Je nach Tunnelgröße und Komplexitätsgrad beziehe ich meine Kollegen und Kolleginnen aus unserem Haus oder auch externe Fachleute in die Planung mit ein.

Im Regelfall sind Tunnelprojekte sehr lang laufende Projekte, die aber einen ganz konkreten und in der Regel unverrückbaren Inbetriebnahmetermin haben. Teilweise beschäftigt uns die Planung der Tunnelbetriebstechnik mehrere Jahre. Dies bietet u.a. auch die Möglichkeit, Werkstudenten und duale Studenten in die Planung einzubinden und sie mit eigenen Aufgabenpaketen in die Verantwortung zu nehmen und dabei gleichzeitig intensiv betreuen zu können. Als besonderes Highlight bei der Tunnelplanung empfinde ich, wenn man die Möglichkeit hat, einen Tunnel im Planungsteam von der ersten Idee bis zur Verkehrseröffnung begleiten zu können und das eigene „Tunnelbaby“ wachsen zu sehen.